Gemeinsam für eine lebendige Literaturstadt Heidelberg: Mehr Literatur wagen!
Der Literaturherbst Heidelberg engagiert sich

Im Schulterschluss mit Autor*innen, Verlagen, Buchhändler*innen, Wissenschaftlern, Übersetzer*innen und Veranstalter*innen aus der Literaturstadt Heidelberg hat sich der Literaturherbst seit Herbst 2021 in einer Arbeitsgruppe „Weiterentwicklung Literaturstadt Heidelberg“ für eine lebendigere UNESCO City of Literature Heidelberg stark gemacht. Die im Jahr 2021 angekündigten Kürzungen des städtischen Literaturetats haben gezeigt, dass in Heidelberg, der deutschlandweit einzigen UNESCO City of Literature, ein neues Bewusstsein für die herausragende Bedeutsamkeit von Literatur geschaffen werden muss: Weder die literarische Tradition unserer Stadt, noch der UNESCO-Titel dürfen „verwaltet“ und beschnitten werden. Es gilt, die immensen gesellschaftlichen und kulturellen Möglichkeiten der 2014 erfolgten Auszeichnung Heidelbergs zur UNESCO Literaturstadt neu zu entdecken und – auch im internationalen Vergleich – endlich umfassend auszugestalten. In der Arbeitsgruppe „Weiterentwicklung Literaturstadt Heidelberg“ haben sich nach dem erfolgreichen gemeinschaftlichen Protest gegen die Kürzungen der Literaturförderung (Oktober/November 2021) ehrenamtlich Autoren, Übersetzer, Verleger, Buchhändler, Veranstalter und Angehörige der Universität zusammengefunden, um mit kollaborativ entwickelten, innovativen Ideen – frei nach dem Motto „Mehr Literatur wagen!“ – einen konzeptuellen Neuanfang unserer Literaturstadt voranzutreiben. Damit folgte die Arbeitsgruppe dem in der Sitzung des Ausschusses für Kultur und Bildung am 18. November 2021 formulierten Antrag, ein Gesamtkonzept für die UNESCO City of Literature vorzulegen.
Das am 29. März 2022 vorgestellte Konzept „Mehr Literatur wagen“ mit mehr als 60 Teilnehmern ist eine Einladung an alle Akteure, Freunde und Bürger der Literaturstadt Heidelberg, gemeinsam einen programmatischen Neustart zu wagen und den Titel „UNESCO City of Literature“ vielfältig mit Leben zu füllen.
Auch das Literaturherbst-Festival ist Teil des Gesamtkonzepts, verbunden mit dem dringenden Appell einer umfassenderen Förderung: Der Literaturherbst Heidelberg liegt im Gegensatz zu in Größe und Dauer vergleichbaren (inter)nationalen Festivals mit einem Budget von maximal 12.000 EUR jährlich eklatant unter einer realistischen Finanzierungsgrenze, welche sowohl die beständige Qualität als auch die fortwährende Attraktivität für das Publikum auf Dauer gewährleisten könnte. Ein ambitioniertes und so tief im städtischen Kulturleben verwurzeltes Festival wie der Literaturherbst Heidelberg, das bislang allein vom immensen Einsatz ehrenamtlich Engagierter getragen wurde, verdient und bedarf der Förderung. Eine Förderung unseres Festivals ist nicht nur ein starkes Plädoyer für die UNESCO Literaturstadt, sondern bedeutet zugleich eine gezielte Förderung der gesamten regionalen Literaturszene, der kreativen, kooperativen Vernetzung etlicher lokaler Kulturakteure und -häuser, von Kindern, Jugendlichen und hiesigen NachwuchsautorInnen.


1. April 2022
von Heribert Vogt






31. März 2022
von Manuela Roßner



Im Herbst kämpften Literaturschaffende erfolgreich gegen Kürzungen. © Philipp Rothe

Bessere Unesco-Literaturstadt: Heidelberger Literaturschaffende legen Konzept vor

Heidelberg. „Mehr Literatur wagen“: Unter dieser Überschrift haben Heidelberger Literaturschaffende in einer digitalen Konferenz mit rund 65 Teilnehmern am Dienstagnachmittag ein Konzept dafür vorgelegt, wie der Titel „Unesco-City of Literature“ aus ihrer Sicht mit mehr Leben gefüllt werden könnte. Die Ideen sind vielfältig, reichen von Skulpturen über Veranstaltungsreihen in den Stadtteilen bis zu „Literaturscouts“ in den Schulen sowie einer engeren Zusammenarbeit mit dem P.E.N-Club Deutschland.

Literaturschaffende stellen tolle Ideen vor – nun muss man sie auch aufgreifen
Heidelberg hat eine reiche Tradition in der Literatur, und viele berühmte Autoren und erfolgreiche Verlage haben die Stadt reich gemacht. Darauf ausruhen mögen die Literaturschaffenden nicht. Und sie sind auch nicht zufrieden damit, wie die einzige deutsche Literaturstadt ihren Titel „lebt“. Als im Herbst 2021 drastische Kürzungen im Literaturetat geplant waren, taten sich Übersetzerinnen, Autoren und Verlegerinnen zusammen und kämpften erfolgreich gegen die Etatstreichung.
Germanist Roland Reuß hatte zuvor eine Petition formuliert, der sich viele anschlossen. Aus dieser „Aufbruchstimmung“, erklärte Verlegerin Regina Wehrle nun, sei die Arbeit am jetzt vorgelegten Konzept entstanden. Frei nach dem Motto von Willy Brandt „Demokratie wagen“ soll in Heidelberg auch „mehr Miteinander“ gewagt werden, fasste Reuß zusammen.

Nur Heidelberg trägt in Deutschland den Titel
Infotafeln an den Stadteingängen und an touristischen Orten würden den Titel Unesco- Literaturstadt – den nur eine deutsche Stadt trägt – sichtbarer machen, schlug Ingeborg von Zadow, Sprecherin der Heidelberger Autoren, vor. Auch Formen der Autorenförderung – etwa Stipendien für einen Arbeitsplatz zum Beispiel im Kreativwirtschaftszentrum Dezernat 16 – könnten sinnvoll sein.
1320 Buchstaben-Skulpturen, die vom Rathaus durch die Hauptstraße in Richtung Bismarckplatz den Liedtext von „Ich hab mein Herz in Heidelberg verloren“ von Fritz Löhner-Beda/Ernst Neubach zusammensetzen, sind eine weitere Idee.
Es ginge darum, „die wunderbare Idee der Literaturstadt immer neu umzusetzen – auch digital“: Veronika Haas ging besonders ausführlich auf den Literaturherbst ein, der in Konzept und Programm viele der Ideen aufgreife, die eine „creative city“ ausmache – aber nach sieben Jahren nicht mehr ausschließlich nur in ehrenamtlicher Organisation bleiben könne.

Quartier für verfolgte Autoren
Marion Tauschwitz plädierte für eine enge Vernetzung mit der Schriftstellervereinigung P.E.N Deutschland – bis hin zu einem gemütlich eingerichteten Quartier mit „Familienanschluss“, das verfolgten Autoren zur Verfügung gestellt werden könnte, „damit sie wieder in Ruhe arbeiten können“.

„Eine Stadt schreibt“: Diese „literarische Mitmachaktion“ könnte sich Molly Hiesinger gut vorstellen. „Es ist eine Einladung an die Stadt und die Literaturakteure, sich gemeinsam zu engagieren, denn nur zusammen können wir wirklich etwas bewegen“, blickt auch Autor Belmonte nach vorne.


Betrieben von WordPress | Theme: Baskerville 2 von Anders Noren.

Nach oben ↑